Wie Jugendliche die Welt verbessern

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Schülerinnen und Schüler, die Bäume pflanzen, die CO2-Konzentration im Klassenzimmer oder die Wasserverschmutzung messen: Jugendliche aus mehreren Ländern haben im Wettbewerb “Umwelt macht Schule” ihre eigenen Ideen entwickelt. Dafür gab es vom RNE jetzt eine Auszeichnung als langfristiges Transformationsprojekt.

Naturseife zum Selbermachen? Tipps, wie man im Haushalt am effektivsten Energie spart? Oder einfach mal aufzeigen, warum Recycling besser für die Umwelt ist, als den eigenen Müll einfach zu verbrennen? Das sind nur drei von zahlreichen kreativen Projekten, die sich Jugendliche aus Osteuropa, Zentralasien und Deutschland ausgedacht haben, um die Umwelt zu schützen und mit konkreten Aktionen auf Probleme in ihrem eigenen Umfeld aufmerksam zu machen. Das Vernetzungsprojekt „Umwelt macht Schule“ fördert sie dabei durch einen grenzüberschreitenden Schülerwettbewerb. Die besten Teams werden ihre Projekte bei einer internationalen Umweltjugendkonferenz am 8. und 9. April in Berlin vorstellen: Bis zu 100 Kinder stehen dann dort auf der Bühne und präsentieren ihre Entwicklungen.

Bildung für nachhaltige Entwicklung und vernetztes Lernen und Forschen: So lauten die Kernideen von “Umwelt macht Schule: Denken, forschen, handeln!“. Der vom Goethe-Institut Moskau initiierte Wettbewerb ermöglicht es Jugendlichen der 7. bis 10. Klassen, gemeinsam mit deutschen und russischen Umweltexperten und Wissenschaftlern renommierter Universitäten und Forschungseinrichtungen über Nachhaltigkeit zu diskutieren. So entwickeln sie – unterstützt von ihren Deutsch- und Fachlehrern und begleitet von einer Reihe von Workshops – innovative und originelle Lösungen für die Umweltprobleme in ihren Wohnorten. Und das nicht auf das Klassenzimmer beschränkt, sondern auch mit Außenwirkung: Ein kasachischer Pädagoge hat mit seinen Schülern im Rahmen des Wettbewerbs beispielsweise 1.000 Bäume gepflanzt.

Berlin – Moskau – Berlin

Die Jugendlichen setzen sich nicht nur mit Umweltproblemen auseinander, gleichzeitig lernen sie auch Formen politischer Partizipation kennen. Und dass es zum interkulturellen Austausch beiträgt, wenn sich junge Menschen aus 223 Schulen in Deutschland, Russland, Georgien, Kirgisien, Kasachstan, Belarus, Armenien und der Ukraine begegnen, um gemeinsam an Ideen für eine lebenswerte Zukunft zu arbeiten, versteht sich eigentlich von selbst. Vernetzt über soziale Netzwerke halten sie sich gegenseitig über die Fortschritte der unterschiedlichen Projekte auf dem Laufenden.

“Die Idee gibt es schon seit 2009”, erzählt die promovierte Chemikerin Doris Sövegjarto-Wigbers, Umweltkoordinatorin am Zentrum für Umweltforschung und nachhaltige Technologien (UFT) der Universität Bremen. Diese Einrichtung ist neben dem Moskauer Goethe-Institut einer der beiden federführenden Partner des Projekts und Sövegjarto-Wigbers damit einer der Köpfe hinter dem Wettbewerb.

Gemeinsam mit Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Einrichtungen der Natur- und Geisteswissenschaften – Georg Heiss vom Institut für Geologische Wissenschaften der FU Berlin, Wilhelm Linder von der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik in Wien, Gundula Herwig, der Leiterin Stabsstelle Internationales im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, Wolfgang Spyra, Professor an der Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg und Irina Gretschuchina von der Moskauer Staatliche Lomonossow Universität – bildet sie zudem die Jury, die die Arbeiten der Kinder beurteilt und die Teilnehmer für die Jugendkonferenz auswählt.

Umweltschutz als deutsches Kulturgut

Der Wettbewerb wird dieses Jahr zum dritten Mal durchgeführt, zum zweiten Mal mündet er in eine Abschlussveranstaltung in Berlin. Dort werden vor allem Kinder aus Osteuropa und Zentralasien ihre Arbeiten präsentieren, aber auch vier Bremer Schüler sind mit von der Partie. Bei der ersten Jugendkonferenz vor zwei Jahren fuhren deutsche Schüler für das Finale in die russische Hauptstadt Moskau, um dort ihre Arbeiten vorzustellen. Ausgezeichnete Projekte des vergangenen Jahres waren etwa "Auto und Boden am Straßenrand”, Projekt einer weißrussischen Mittelschule, "Das ökologische Labor. Nach den Waldschutzpfaden Mordowiens", eingereicht von ein Gymnasium aus dem russischen Saransk und "Bestimmung der Konzentration von Kohlendioxid in den Räumlichkeiten des Gymnasiums mit dem selbstgemachten Gasanalysator” eines Petersburger Gymnasiums.

Für Sövegjarto-Wigbers ist es bereits der zweite Wettbewerb dieser Art. Gemeinsam mit Anne Renate Schönhagen vom Goethe-Institut hat sie bereits ein ganz ähnliches Projekt – “Greening with Goethe” – für deutsche und indische Schüler auf die Beine gestellt. Als Schönhagen 2012 aus dem indischen Bangalore in die russische Hauptstadt Moskau wechselte, nahm sie die Idee mit. Was Sövegjarto-Wigbers an der Zusammenarbeit besonders gefällt: Dass das Goethe-Institut Umweltschutz als Teil der deutschen Kultur betrachtet und sich deswegen an Projekten wie “Umwelt macht Schule” beteiligt, um so nachhaltige Ideen auch in anderen Ländern populärer zu machen.

Konkrete Verbesserungen erreichen

Dieses Engagement hat auch den Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) überzeugt. Unter den 67 Projekten, die der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) kürzlich mit dem Qualitätssiegel „Projekt Nachhaltigkeit 2017“ ausgezeichnet hat, wurden vier zusätzlich durch den Titel “Transformationsprojekt” herausgehoben – darunter “Umwelt macht Schule”. Ihnen misst der RNE ein besonderes Potenzial bei, die Welt nachhaltiger zu machen. Überzeugt hat die Jury vor allem der internationale Austausch der Jugendlichen zu Themen der Nachhaltigkeit und das gegenseitige Lernen: „Die globalen Nachhaltigkeitsziele können nur alle gemeinsam erreichen. ‘Umwelt macht Schule’ ist ein gelungenes Beispiel, wie so etwas funktionieren kann“, sagt Sabine Gerhardt, die das Projekt Nachhaltigkeit in der RNE-Geschäftsstelle leitet.

Der Preis wird am 21. März im Rahmen der Eröffnung der Regionalen Netzstelle Nachhaltigkeitsstrategien Norddeutschland (RENN.nord) im Wälderhaus in Hamburg verliehen.